Horst Krischke

 

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Nachwuchs 

                 bei den Anthonyi's

Links im Bild ist das Männchen an der Schallblase zu erkennen.
Links im Bild ist das Männchen an der Schallblase zu erkennen.

Quappenaufzucht

bei

Epipedobates anthonyi


Wie es aussieht fühlen sich die Epipedobates anthonyi bei mir relativ wohl. Außerdem hat sich auch schon ein Männchen als "Platzhirsch" durchgesetzt und durch seinen Gesang ein Weibchen überzeugen können, das er der Richtige für die gemeinsamen Jungen ist. Wenn E. anthonyi Männchen zum Singen anfangen, machen sie es natürlich nicht ohne Hintergedanken. 

Sie wollen im Revier anwesenden  Weibchen gefallen und gleichzeitig anderen Männchen  anzeigen, hier bin ich der Herr im Revier.

Haben sie es dann mit ihrem Gesang geschafft, eine reizende Dame in ihre Wohnbromelie oder ersatzweise Sylvesterraketenspitze oder ähnliches zu locken, geht die Kaulquappenproduktion in Serie.

Männchen beim Inspizieren der "Laichhöhle". Wie sich dann herausstellte befand er diese als geeignet.
Männchen beim Inspizieren der "Laichhöhle". Wie sich dann herausstellte befand er diese als geeignet.
Sylvesterraketenspitze mit abgesetztem Laich
Sylvesterraketenspitze mit abgesetztem Laich

Haben sich Männchen und Weibchen einmal gefunden, wird ein geeigneter Laichplatz gesucht. In meinem Terrarium ist dies eine am Neujahrstag gesammelte Raketenspitze, wahlweise kann auch eine Filmdose Verwendung finden.  Diese "Ersatzbromelie" wird dann von beiden Fröschchen aufgesucht und natürlich erst verlassen, wenn abgelaicht wurde.

Hier ist das Männchen im Nebel auf dem Weg zum nächsten Aufenthaltsort der Larven, die er auf dem Rücken dorthin trägt.
Hier ist das Männchen im Nebel auf dem Weg zum nächsten Aufenthaltsort der Larven, die er auf dem Rücken dorthin trägt.

Für das Weibchen ist nach dem Laichakt die Arbeit am Laich dann auch schon getan. Das Männchen wiederum bewacht und befeuchtet das Gelege bis zum Schlupf der kleinen Kaulquappen. Dies dauert in der Regel ca. zwei Wochen. Bevorzugt werden Laichplätze im mittleren Bereich des Terrariums angebracht, da es im Tagesverlauf mit eingeschalteter Beleuchtung im obersten Bereich eher zu trocken sein kann und der Laich dort eher zu Schaden kommt. Ausserdem ist dann der Weg von der Wasserstelle (Teich) zum Ablaichplatz nicht so weit. Das Männchen wird es danken. Sie holen das Wasser aber auch aus den Bromelienachseln heraus.

Vom Absetzen des Laichs (10 - 30 Eier) bis zum fertigen Fröschchen dauert es in der Regel um die 100 Tage.

Irgendwie kommunizieren Larven und der Vaterfrosch scheinbar miteinander. Sind die Larven zum Schlupf bereit, passiert mit ihnen und dem Männchen etwas ganz faszinierendes. Das Männchen klettert zu den Larven, die sich aus ihrer gallertartigen Schutzhülle befreien und klettern wie auf Befehl auf seinen Rücken. Hier fungiert das Männchen wie ein Taxi, das sie in den nächsten Lebensabschnitt "Teich" überführt.  Als ich mein Männchen mit den Larven auf dem Rücken sah, bewaffnete ich mich mit einem kleinen Löffel, um die dann im Teich auf dem Boden abgesetzten Larven herauszunehmen. So war der Plan.

Ich hatte mit der Kooperation des Männchens gerechnet. Er aber hatte andere Pläne für seine Jungen. Irgendwie muss er geahnt haben, was ich vorhatte. 

Ich wollte eine externe Aufzucht der Larven. Also eine weitere Betreuung im extra dafür hergerichteten Aquarium außerhalb des Terrariums.

Er hatte an eine eher interne, natürliche Aufzucht der Larven in den mit Wasser gefüllten Bromelienachseln gedacht.

Das kommt davon, wenn man sich nicht im Vorfeld über die Erziehung der "Kleinen" austauscht.

Nach geraumer Zeit, ca.24 Stunden, war dann der Rücken des Männchens wieder befreit von den Larven. Also waren alle abgesetzt worden.

Jetzt kam meine Zeit. Bewaffnet mit einem Luftschlauch saugte ich alle mir zur Verfügung stehenden Bromelienachseln ab, um die Larven wieder einzusammeln. 

Gefühlte fünf Stunden später in gebückter Haltung und entsprechenden Rückenschmerzen hatte ich dann acht Larven (Quappen) aus den Bromelien abgesaugt und in das Aquarium umgesiedelt.

Natürlich füllte ich die Achseln der Bromelien wieder mit Wasser, indem ich immer wieder die Regenanlage einschaltete. Eventuell verbliebene Larven sollten ja nicht vertrocknen.

Larve nach dem Umsetzen in das Aufzuchtaquarium am 16. Oktober 2015.
Larve nach dem Umsetzen in das Aufzuchtaquarium am 16. Oktober 2015.
Eine der Quappen am 24. Oktober 2015. Ein deutlicher Zuwachs konnte in den paar Tagen verzeichnet werden.
Eine der Quappen am 24. Oktober 2015. Ein deutlicher Zuwachs konnte in den paar Tagen verzeichnet werden.
06. November 2015. Immer noch ist ein guter Zuwachs zu beobachten.
06. November 2015. Immer noch ist ein guter Zuwachs zu beobachten.
Erinnert doch irgendwie an einen kleinen Waller?
Erinnert doch irgendwie an einen kleinen Waller?
Das Aufzuchtaquarium mit schon eingesetztem Landteil. Ein zurecht geschnittener Fiterschwamm
Das Aufzuchtaquarium mit schon eingesetztem Landteil. Ein zurecht geschnittener Fiterschwamm

Eingerichtet wurde das Aquarium mit getrocknetem Herbstlaub von Buche, Ahorn  und Eiche. Ausserdem ein paar Stengel Unterwasserpflanzen und einem Erlenzapfen zur Ansäuerung des Wassers. Ich verwende ausschließlich zimmertemperiertes  Osmosewasser um 20°C und mache täglich einen Teilwasserwechsel, um die Nitrat- und vor allem Nitritwerte aus dem Aquarium fern zu halten.

Durch die in der Aquaristik gesammelten Kenntnisse bin ich mir folgender  Tatsachen bewusst:

  • Nitrit vermindert die Aufnahme von Sauerstoff der unter Wasser lebenden Lebewesen derart, daß das unversehrte Aufwachsen (Mißbildungen, verkrüppelte Gliedmaßen) der Kaulquappen nicht gewährleistet werden kann.

 

  • Nitrat ist bekannt dafür, das es als Wachstumshemmer auch in der Aquaristik für vermindertes Wachstum verantwortlich ist.

 

Gefüttert werden die Kaulquappen mit roten, schwarzen und weißen gefrorenen Mückenlarven. Spirulina Tabs von Sera und ein Fischaufzuchtfutter (Staubfutter) runden das Futterspektrum ab.

Am Futterplatz wird um die besten Plätze gerangelt
Am Futterplatz wird um die besten Plätze gerangelt
Größenvergleich mit einem Erlenzapfen.
Größenvergleich mit einem Erlenzapfen.
Die Kaulquappe ist ca. 1 Monat alt. Schön zu sehen sind die schon durchgebrochenen Hinterbeine.
Die Kaulquappe ist ca. 1 Monat alt. Schön zu sehen sind die schon durchgebrochenen Hinterbeine.
Hier nochmal schön zu sehen, wie weit die Hinterbeinchen schon entwickelt sind. Zwischen dem vorherigen und diesem Bild liegt ca. eine Woche.
Hier nochmal schön zu sehen, wie weit die Hinterbeinchen schon entwickelt sind. Zwischen dem vorherigen und diesem Bild liegt ca. eine Woche.

Alle Gliedmaßen sind schön ausgebildet. Hier kann man immer wieder von Streichholzbeinchen (SLS = Spindly leg syndrom) lesen, die meinen Jungfröschen hoffentlich erspart bleiben. Streichholzbeinchen sind eine Deformierung und / oder schwache Ausbildung der vorderen Gliedmaßen. Als Grund werden verschiedene Faktoren aufgeführt. Angefangen von der Erbmasse der Eltern, Disharmonie der Eltern, Mangelernährung der Eltern, fehlenden Hygiene bis hin zu fehlendem UV-B Licht.

Meines Erachtens spielt die Wasserqualität im Quappenbecken eine sehr entscheidende Rolle. Wenn man sieht, in wie wenig Wasser manche Züchter ihre Quappen zeitigen, das in kurzer Zeit jeden Nitrit-Stäbchentest zum glühen bringt, ist es mit Sicherheit auch auf die fehlende Aufnahme und Versorgung der Quappe mit Sauerstoff zurückzuführen. Näheres über Nitrit (NO2) und dessen Auswirkung auf den Organismus kann man hier nachlesen.

 

"Grundsätzlich ist die Quote an SLS befallenen Jungfröschen beeinflussbar durch den Halter."

 

schreibt Sebastian Schmidt auf der Dendrobaten Regensburg Seite.

Kann ich nur zustimmend nicken.

Aus diesem Grund heraus sieht mein Quappenbecken zwar etwas verbaut aus. Aber es funktioniert tadellos. Unter dem blauen Filterschwamm ist eine kleine EHEIM Pumpe verbaut, die das Wasser über einen Schlauch in einen mit Filterwatte und nitratzehrendem Filtermaterial von JBL gefüllten Tonblumentopf pumpt. Der wiederum steht wieder auf einer kleinen Filtermatte, um den Wasserfluß zu gewährleisten. Der Aufbau ist zwar nicht unbedingt schön oder professionell, aber allemal zweckmäßig. 

Hier nochmal besser zu erkennen, die Streifenzeichnung.
Hier nochmal besser zu erkennen, die Streifenzeichnung.

Sobald  kurz vor Abschluß der Metamorphose die Vorderbeine durchbrechen, stellen die kleinen Frösche die Nahrungsaufnahme unter Wasser ein und verlassen kurz darauf endgültig das Element Wasser. In dieser Phase kommt es nicht selten vor, das sie das Aufzuchtaquarium auch durch Hochklettern an der blanken Scheibe verlassen. Deshalb sollte man hier auch darauf achten, das Aquarium ausbruchsicher zu gestalten. 

In der Zeit nach Einstellung der Nahrungsaufnahme zehren die noch nicht ganz fertigen Frösche von den freiwerdenden Nährstoffen der Schwanzresorption, also der Rückbildung der "Schwanzflosse". Danach sollte die Versorgung mit Springschwänzen in einem separaten Terrarium sichergestellt sein.

Dieses Terrarium wurde schon zur Quappenzeit mit Springschwänzen besetzt, sodass sich diese darin gut vermehren konnten. 

Eingerichtet ist es mit Torf als Bodengrund und einigen kleinen Pflänzchen. Eine Petrischale dient als Teich. Als Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten dienen Herbstlaub von Eiche, Buche und Ahorn und Sylvesterraketenspitzen, die es am 1. Januar in verschiedenen Größen zu sammeln gilt. ;-)

Sylvesterraketenspitze als Versteck
Sylvesterraketenspitze als Versteck
Als Teich dient eine Petrischale
Als Teich dient eine Petrischale

Springschwänze als Erstfutter. Ebenso gibt es Drosophila melanogaster, also die kleine Fruchtfliege.
Springschwänze als Erstfutter. Ebenso gibt es Drosophila melanogaster, also die kleine Fruchtfliege.

Am 17. Dezember war bei diesen Fröschchen der Landgang. Am 20.Dezember sind sie schon am Klettern in ihrer neuen Umgebung. 

Na dann, ein schönes neues Leben wünsch ich euch.

...und schon geht der Spaß von vorne los.
...und schon geht der Spaß von vorne los.

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